Wie aus einem Guss: Steinwolle-Dämmung hinter Putz und Vorhangfassade

DEUTSCHE ROCKWOOL
27 July 2021

VHF trifft WDVS

Gladbeck – Eine Sanierung mit Modellcharakter realisierte die DEUTSCHE ROCKWOOL in Gladbeck. Ihr dortiges Bürogebäude – Baujahr 1974 und Sitz der Hauptverwaltung – wurde energetisch und gestalterisch in das dritte Jahrtausend katapultiert. Die Nutzfläche vergrößerte sich dank einer Aufstockung um 435 m2. Von der DGNB Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen wurde das „neue, alte“ Verwaltungsgebäude des Marktführers für Steinwolle mit einem Zertifikat in Gold ausgezeichnet.

Ausführlich diskutiert worden war schon im Zuge der Entwurfsplanung die Frage, wie die Fassaden der vier Obergeschosse mit ihren neuen, großen Fenstern gegenüber dem Souterrain und Erdgeschoss abgesetzt werden könnten. Ziel war es, das Gebäude optisch zweifach horizontal zu gliedern. So fiel schließlich die Entscheidung für ein Wärmedämmverbundsystem mit dunkelgrauem Kratzputz am Gebäudesockel und Untergeschoss zum einen sowie für eine vorgehängte hinterlüftete Fassade für die Obergeschosse zum anderen. Das neu aufgesetzte Geschoss erhielt auf drei Seiten eine auffällige Bekleidung aus vorbewitterten, quadratischen Zinkblechen, die rautenförmig verarbeitet wurden. Es entstand eine Art „Krone“, die weithin sichtbar unterstreicht, dass hier keineswegs nur rein funktional saniert wurde.

Um mehr als 80 % gesenkte Energiekosten

„Wir haben mit der Sanierung unseres Bürogebäudes ehrgeizige Ziele verfolgt“, erklärt Volker Christmann, Vorsitzender der Geschäftsführung DEUTSCHE ROCKWOOL, „und die haben wir vollständig erreicht.“ Der Primärenergiebedarf konnte durch die Sanierung um über 80 % gesenkt werden. Vor allem durch die Optimierung des Dämmstandards in der gesamten Gebäudehülle konnten die Wärmeverluste drastisch reduziert werden, sodass der Heizwärmebedarf nun bei nur noch 70,85 kW/h pro Jahr und Quadratmeter liegen wird.

WDVS mit 300 mm Steinwolle

Insgesamt wurden im Zuge der Sanierung fast 2.000 m2 Fassaden- und Dachflächen gedämmt. Auf der Fassade wurden ROCKWOOL Dämmstoffplatten in einer Dicke von 300 mm montiert. Das Untergeschoss inklusive Gebäudesockel sowie der Treppenhausturm wurden einlagig mit der Putzträgerplatte „Coverrock II“ in einer Dicke von 300 mm gedämmt. Diese ist Teil eines WDVS der Konzernschwester HECK Wall Systems.

Die Anwendung einer einlagigen Steinwolle-Dämmung dieser Dicke ist bisher in der Praxis noch selten anzutreffen. „Wir verfügen über alle bauaufsichtlichen Zulassungen für unser System auch mit einem Dämmkern von 300 mm“, betont Key Account Manager Jens Wüller von HECK Wall Systems. „Und darüber sind wir froh angesichts stetig steigender Anforderungen der Bauherren an die Fassadendämmung.“ Tatsächlich beobachte HECK seit längerem eine Tendenz zu weiter steigenden Dämmdicken speziell in der Sanierung.

Fassaden- und Dachdämmung aus einer Hand

Mit der Ausführung des WDVS wurde die Fischbach Gruppe beauftragt. Sie verfügt über langjährige Erfahrungen in der Verarbeitung von Steinwolle und erhielt auch den Auftrag für die Ausführung der Vorhangfassade und die Dämmung des Daches. Bereichs- und Projektleiter Felix Huber erinnert sich an eine herausfordernde Aufgabe: „Es galt, viele Anschlussdetails genau zu planen und ebenso genau auszuführen. Da z. B. auch der Treppenhausturm gebäudehoch eine Putzfassade erhalten sollte, schloss das WDVS nicht nur horizontal an die VHF an, sondern auch vertikal. Die entstehende Innenecke musste also so präzise ausgeführt werden, dass die mit dem Laser auf den Millimeter geschnittenen Fassadentafeln der VHF an eine ebenso präzise anmutende Putzkante angrenzen.“ Sorgsam wurde deshalb der dickschichtige, mineralische Oberputz „HECK EP KR Jura" an spezielle Eckschienen angearbeitet und eine Schattenfuge ausgebildet.

Leichter mit Steinwolle

Ein wesentlicher Vorteil für den horizontalen Anschluss des WDVS an die VHF der oberen Geschosse ergab sich aus dem durchgängigen Einsatz von Steinwolle-Dämmungen, so Huber. „Die ‚Coverrock II‘ Putzträgerplatte ist einer kaschierten ‚Fixrock‘, die wir gerne als Dämmstoff hinter vorgehängten Fassaden einsetzen, sehr ähnlich, was ihre Druckfestigkeit angeht. Außerdem verfilzen die Kanten beider Platten miteinander, was man sich ja wünscht, um eine möglichst fugenlose Dämmung zu erreichen.“

Kratzputz in Graphit-Grau

Fast während der gesamten Bauzeit unterstützten durchschnittlich sechs Mitarbeiter der Fischbach Gruppe die Sanierung ihres langjährigen Partners und Lieferanten ROCKWOOL. „Am WDVS und vor allem der Umsetzung des hochwertigen Kratzputzes in einer sehr herausfordernden, dunklen Farbe haben wir an einigen Tagen mit einem Team von bis zu acht Stuckateuren und Malern gearbeitet. Hier konnte ja nicht pausiert werden und der Putz musste in einem Durchgang aufgebracht und nach dem Trocknen in einem Durchgang gekratzt werden. Das Team hat hier sehr konzentriert gearbeitet.“

VHF mit auskragender Unterkonstruktion

Viel Geduld erforderten auch die Arbeiten an der Vorhangfassade. „Die vor dem neu aufgesetzten Geschoss leicht nach außen kragende Unterkonstruktion hat unsere Techniker gefordert. Aber das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen“, findet Huber. Für die verdeckte Befestigung der Rockpanel Tafeln in Weiß und Grau vor dem 2. bis 4. Geschoss wurde das Profilsystem „UBE DUO“ eingesetzt. Die sichtbare Befestigung der Tafeln in anderen Bereichen sowie der Zinkbleche wurde mit dem System „ALWI-S“ und im Bereich der Gebäudeecken mit einer Sonderkonstruktion realisiert; alle Systeme stammen von Systea.

Eine Fassadengestaltung, die den Umgang mit verschiedenen Systemen und Materialien vorsehe, fordere das Bauhandwerk zwar immer in besonderer Weise, so Huber weiter, gebe ihm aber auch die Chance „zu zeigen, was geht“. Von Anfang an sei er sicher gewesen, dass alle Fassadensegmente technisch einwandfrei auszuführen sein würden, denn anders als bei anderen Baustellen habe der Bauherr ROCKWOOL ausschließlich mit bewährten und geprüften Systemen aus der Serienfertigung geplant.

Um die durch den Einsatz von durchgängig 300 mm Dämmung auf der Fassade zu erzielende Energieeffizienz noch weiter zu verbessern, wurden dreifach verglaste Fenster eingebaut. Gemeinsam sorgen Dämmung und Fenster auch dafür, dass der Straßenlärm weitgehend draußen bleibt. Die hygienische Belüftung des Gebäudes erfolgt durch eine moderne Anlage, die einen optimalen Luftaustausch sicherstellt und im Winter Wärmeverluste vermeidet, wie sie von geöffneten Fenstern verursacht werden.

Steinwolle als Alleinlöser

Vorgehängte hinterlüftete Fassaden in komplett nichtbrennbarer Ausführung bieten im Brandfall ein hohes Maß an Sicherheit. Dennoch sind ab Gebäudeklasse 4 Brandsperren vorgeschrieben, die im Brandfall den Hinterlüftungsraum ausreichend geschlossen halten. Auch für das nach der Sanierung und Aufstockung fünfgeschossige Bürogebäude der DEUTSCHEN ROCKWOOL waren solche Brandsperren vorzusehen. Für diesen Bauherrn ein leicht zu lösendes Problem, denn in seinem Sortiment findet sich auch das „Fixrock BWM Brandriegel Kit“ – ein patentiertes System, das schnell und wärmebrückenfrei zu montieren ist. Mit ihm ist es möglich, Fassadendämmung und Brandsperren homogen aus nichtbrennbarer Steinwolle zu realisieren. Lieferbar ist der Brandriegel für Flächendämmungen von 120 bis 300 mm, also auch passend zu den in Gladbeck zweilagig verarbeiteten „Fixrock“ Fassadenplatten.

Recycling gleich nebenan

Abfall aus dem Zuschnitt der Putzträger- und Fassadendämmplatten wurde in „Rockcycle“ Big Bags gesammelt und sofort in das nahe ROCKWOOL Werk zurückgefahren. Dort werden Reststücke ebenso wie ausgebaute, alte Steinwolle-Dämmungen recycelt und zu neuen Dämmplatten verarbeitet.

Markus Schröder, Senior Product Manager bei der DEUTSCHEN ROCKWOOL im Bereich Fassadendämmungen zeigt sich mit dem Ergebnis der energetischen Sanierung am eigenen Gebäude sehr zufrieden: „Wir wollten und konnten gemeinsam mit HECK Wall Systems zeigen, dass die einlagige Verlegung einer Steinwolledämmplatte von 300 mm in einem WDVS uneingeschränkt machbar ist. Darüber hinaus haben wir nun ein Referenzprojekt geschaffen, an dem sehr schön zu sehen ist, wie die Kombination aus WDVS und VHF ästhetisch und technisch gelingen kann.“

(Kastentexte)

Fassadendämmplatte „Coverrock II“

Die im Projekt eingesetzte „Coverrock II“ ist eine nichtbrennbare Putzträgerplatte der Wärmeleitfähigkeit 035, die als Kernstück für mineralische Wärmedämmverbundsysteme dient. Durch eine hoch verdichtete Oberlage werden eine hervorragende Putzhaftung und sichere Verdübelung gewährleistet. Die Beschichtung auf den Plattenoberflächen ermöglicht den Putzauftrag ohne Pressspachtelung. Die Verdübelung erfolgt gemäß Angaben der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung / Bauartengenehmigung des Systemhalters bzw. dem Anwendungsdokument der DEUTSCHEN ROCKWOOL. Da die „Coverrock II“ auch schalldämmend und schallabsorbierend wirkt, verbessert sie den Komfort in Gebäuden an stark befahrenen Straßen oder in Innenstädten in besonderer Weise.

„Fixrock 035“ für die VHF

Mit der „Fixrock 035“ bietet ROCKWOOL eine vollmineralische Fassadendämmplatte in einer sehr niedrigen Wärmeleitfähigkeit an, die für optimalen Schutz der Bausubstanz sorgt. Dank einer durchgehenden Hydrophobierung der Steinwolle­-Fasern sind Fassadendämm­platten von ROCKWOOL über einen langen Zeitraum vor einer Durchfeuchtung durch Nebelnässe oder Regenwasser geschützt. Die Verarbeitung der „Fixrock 035“ ist denkbar einfach: Die robusten Platten werden mit Schlagdübeln befestigt, ohne dass hierdurch der gefürch­tete „Matratzeneffekt“ durch versackende Dübel entsteht. Die unkaschierte Version der „Fixrock“ eignet sich vor allem für Fassaden mit geschlossenen und schmalen Fugen. Bei Fassadenkonstruktionen mit großen Fugen kann die mit schwarzem Vlies kaschierte – und ebenso leistungsfähige – „Fixrock 035 VS“ verwendet werden. Die Platten sind in einem Format von 1.000 x 625 mm und Dicken zwischen 60 und 200 mm lieferbar. Als Baustoff der Euroklasse A1 bieten beide Plattenvarianten mit einem Schmelzpunkt von über 1.000 ºC bestmöglichen Brandschutz.

„Fixrock Dämmstoffhalter“

Zusätzliche Vorteile bei Verarbeitung und Lagerhaltung bringt ein speziell entwickelter Dämmstoffhalter. Schaft und Teller werden getrennt geliefert. Das reduziert das Packvolumen der Dämmstoffhalter um über 60 % und ermöglicht eine effiziente Lagerung von Tellern und Schäften. Für die Platzierung der ROCKWOOL Dämmstoffhalter wird mit einem 8-mm-Bohrer ein mindestens 40 mm tiefes Loch in den tragenden Untergrund vorgebohrt. Der Schaft des Dämmstoffhalters wird dann mit einem Hammer eingeschlagen. Die Setztiefe von 30 mm gewährleistet eine definierte Einbausituation unabhängig vom Untergrund. Der Teller wird separat aufgesteckt und positioniert. Durch diese spezielle Form der voneinander getrennten Befestigung von Schaft und Teller wird ein punktuelles Eindrücken der Dämmplatten verhindert.

WDVS „HECK MW A1“

HECK Wall Systems ist mit dem Wärmedämmverbundsystem „HECK MW A1“ auf Basis von Steinwolle-Dämmplatten ein Durchbruch beim vorbeugenden Brandschutz gelungen. Es ist das erste zugelassene WDVS mit der Euroklasse A1. Dabei muss auf keinen einzigen Vorteil eines mineralischen Wärmedämmverbundsystems verzichtet werden. Zum System gehört ein faserarmierter, filzbarer und sockelgeeigneter Werktrockenmörtel mit PWS-Technologie zum Verkleben und Armieren der Dämmplatte „Coverrock“. Die mechanische Befestigung erfolgt mit „HECK Schraubdübel STR-U 2G“ und „HECK Dübelteller 90 VT2G“. Als Armierungsgewebe wird das alkalibeständige, feine Glasfasergewebe „HECK AGG A1“ eingesetzt.

Rockpanel „Colours“ Fassadenplatten

Für die Bekleidung der Fassaden in den Obergeschossen des Bestandsgebäudes wählte die DEUTSCHE ROCKWOOL Platten der Konzernschwester Rockpanel aus den Serien „Colours“ und „Premium“. Sie erfüllen in Kombination mit der „Fixrock“ Dämmplatte die Anforderungen der europäischen Baustoffklasse A2-s1, d0 und sind in vielen RAL- und NCS-Farben lieferbar. Für die Bearbeitung und Montage wird kein spezielles Werkzeug benötigt. Die „ProtectPlus“ Beschichtung sorgt für hohe Farbbeständigkeit eine verbesserte Selbstreinigungskraft. Der größte Teil von Verunreinigungen an der Fassade wird bereits von Regenwasser abgespült.

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