Gladbeck / Stuttgart – Auf dem Areal eines abgerissenen Wohnquartiers aus den 1950er-Jahren entsteht aktuell ein in mehrfacher Hinsicht bemerkenswertes Wohnquartier für mehr als 220 Haushalte. Auftraggeberinnen sind Neues Heim – Die Baugenossenschaft eG (BGNH) und die Baugenossenschaft Zuffenhausen eG (BGZ), die sich zu einer Projektallianz zusammengeschlossen haben. Die Außenwände der drei- bis siebengeschossigen Gebäude im Quartier werden mit vorgefertigten Holzrahmenelementen inklusive einer außen angebrachten Steinwolle-Dämmung „Woodrock Protect“ unter der Sichtschalung realisiert. Drei namhafte Holzbauunternehmen bündeln ihre Expertise bei der Umsetzung. Im Oktober 2026 sollen die ersten Wohnungen bezugsfertig sein.
Zehn Gebäude mit 1- bis 5-Zimmer-Wohnungen und Studentenapartments, einigen Clusterwohnungen, einer Pflege-Wohngemeinschaft und einer inklusiven Kita sowie Gastronomie-, Büro- und Gewerbeflächen erstellt die ARGE Rotweg schlüsselfertig. Mitglieder der ARGE sind die Geiger Gruppe aus Oberstdorf – vertreten durch Geiger Schlüsselfertigbau und das Tochterunternehmen müllerblaustein HolzBauWerke aus Blaustein – sowie die Holzbauunternehmen Gumpp & Maier aus Binswangen und Huber & Sohn aus Bachmehring.
Partnerschaftlich schnell voran
„In der ARGE pflegen wir einen sehr vertrauensvollen Umgang miteinander“, erklärt Bernd Frey, Zimmerermeister und Projektleiter technischer Vertrieb bei müllerblaustein. „Das ist gut und wichtig, denn wir arbeiten in diesem Projekt mit zwei Bauherrinnen und drei Architekturbüros zusammen. Da ist eine enge und regelmäßige Abstimmung zwischen allen Beteiligten besonders bedeutsam.“ Tatsächlich kümmern sich die drei Erstplatzierten der Internationalen Bauausstellung 2027_StadtRegion Stuttgart GmbH (IBA’27) heute gemeinsam um die Realisierung des Siegerentwurfs von ISSS research I architecture I urbanism aus Berlin.
Ein Quartier für Alt und Jung
Am Rotweg entsteht eine Art Vorzeigequartier, das in hohem Maß der Lebenswirklichkeit des Stadtteils entspricht. Und das ist kein Zufall. Früh wurden die Bewohner der inzwischen abgerissenen Bestandsgebäude eingeladen, sich in die Planung des neuen Quartiers einzubringen. Den professionellen Rahmen dafür bot das „Reallabor Wohnen“, einem im Rahmen der Wohnraumoffensive BW des Ministeriums für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg geförderten Projekts. In den Erdgeschossen der drei- bis siebengeschossigen Gebäude werden viele gemeinschaftliche und gewerbliche Einrichtungen für die Nahversorgung der Bewohner untergebracht. Auch „Älterwerden im Quartier“ wird von vornherein mitgedacht, indem Raum für Service- und Betreuungseinrichtungen reserviert wird.
Bezahlbar und nachhaltig bauen
Zur Herausforderung entwickelte sich im Zuge der Entwurfsplanung der Ausgleich zwischen ökonomischen und ökologischen Ansprüchen. Die Lösung brachte schließlich die Entscheidung für eine hybride Bauweise mit Stahlbeton und Fertigbetonelementen im Kern und im Erdgeschoss der Gebäude sowie mit Holzrahmenelementen in der Außenwand. Bernd Frey beschreibt beispielhaft die Struktur von „Gebäude 10“: „Im Erdgeschoss, wo später eine Kita einzieht, wurde die Außenwand klassisch aus Fertigbetonelementen erstellt und erhält ein WDVS. In den fünf Wohnetagen darüber haben wir die Außenwand aus 40 nichttragenden Holzrahmenelementen, gedämmt mit Mineralwolle, erstellt. Diese Grundkonstruktion wird in neun von zehn Gebäuden im Quartier analog ausgeführt. Für Abwechslung im Straßenbild sorgen unterschiedliche Sichtschalungen und farbige Fensterprofile.“ Für das zuerst errichtete „Gebäude 10“ an der Grenze zur Nachbarbebauung wählten die Planer eine Nut-und-Feder-Schalung aus vorvergrautem Fichten- und Tannenholz.
Für Wärme- und Brandschutz
Gemeinsam mit den Planern entschieden sich die Holzbauprofis, als außen liegende Dämmung „Woodrock Protect“ zu verwenden, eine Steinwolle-Platte mit einer verdichteten Decklage. Ihre hohe Druckfestigkeit von mehr als 50 kPa gestattet die Befestigung der „Woodrock Protect“ mittels Konterlattung mit für die Fassade zugelassenen Schrauben. Der Hersteller, die DEUTSCHE ROCKWOOL, empfiehlt die Arbeit mit Doppelgewindeschrauben aus seinem Produktprogramm „Meisterdach Plus“. Die Stöße der Dämmstoffplatten müssen nicht auf den Holzständern ausgeführt werden, sondern können auch stumpf im Feld erfolgen. Das unterstützt den effektiven und sparsamen Umgang mit dem Dämmstoff. Bernd Frey bestätigt, dass in der Werkstatt kaum unbrauchbarer Verschnitt zurückgeblieben sei.
Handarbeit Element für Element
Keines der 40 Fassadenelemente für „Gebäude 10“ gibt es zweimal. Jedes wurde mit speziellen Ausschnitten auf diverse Anschlüsse und Einbauten manuell vorbereitet. Im Schnitt waren mit der Herstellung eines Elements acht Mitarbeitende einen Tag lang befasst. Auf der Baustelle montierte müllerblaustein an einem Tag in der Regel vier Elemente. Sie sind mit Stahlwinkeln am Stahlbetonskelett des Gebäudes befestigt, das innen in Trockenbauweise ausgebaut wird. Insgesamt werden die drei Holzbauunternehmen für das Quartier „Am Rotweg“ Elemente für rund 10.000 m² Außenwand vorfertigen. Die „Woodrock Protect“ wurde in einer Dicke von 80 mm verarbeitet. Zwischen den Holzständern wurden 200 mm Mineralwolle eingebaut. Die Außenwand der neuen Wohngebäude erreicht so einen U-Wert von 0,124 W/(m²·K).
Die brandschutztechnischen Eigenschaften der „Woodrock Protect“ – nichtbrennbar A1 mit einem Schmelzpunkt > 1000 °C – ermöglichen ihren Einsatz auch im mehrgeschossigen Holzbau und für Gebäude jeder Nutzung. Der Bemessungswert ihrer Wärmeleitfähigkeit liegt bei λ = 0,036 W/(m·K) und ermöglicht die Arbeit mit schlanken Konstruktionen im Einklang mit der „Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Bauteile und Außenwandbekleidungen in Holzbauweise“ (MHolzBauRL).
Hoher Schallschutz
Abhängig vom gewählten Wandaufbau und der Dämmstoffdicke kann mit der „Woodrock Protect“ ein Schalldämmmaß Rw (dB) von über 50 dB erreicht werden. Sie ist deshalb auch für Gebäude in Großstädten und an stärker befahrenen Straßen gut geeignet. Die Wärme- und Schalldämmwerte sowie die Feuerwiderstandsdauer beispielhafter Außenwandkonstruktionen mit „Woodrock Protect“ vergleicht eine informative Broschüre, die auf der Website der DEUTSCHEN ROCKWOOL unter www.rockwool.de/woodrock-protect zum Download bereitsteht.
Zugelassen für alle Gebäudeklassen
Planer und Verarbeiter der „Woodrock Protect“ begleitet der Technische Service der DEUTSCHEN ROCKWOOL beratend bei allen Fragen zur Anwendung sowie durch die Bereitstellung diverser Nachweise zum Wärme-, Schall- und Brandschutz. Das Unternehmen unterstützt durch seine anhaltenden Investitionen in umfassende Prüfungen den Trend zu nachhaltigem Bauen mit Holz in allen Gebäudeklassen. Zuletzt wurde entsprechend den Vorgaben der MHolzBauRL ein Aufbau mit „Woodrock Protect“ und einer Gipsfaserplatte von Fermacell brandschutztechnisch nach der Norm DIN EN 13381-7 untersucht – mit überzeugendem Ergebnis. Die Wandkonstruktion hielt dem Brand weit über 120 Minuten stand. Sie ist damit auch für Konstruktionen mit sehr hohen brandschutztechnischen Anforderungen und für den Einsatz in Gebäudeklasse 5 und höher geeignet.
Recycling gesichert – heute und morgen
Verschnittreste aus der Montage können über den Rücknahmeservice „Rockcycle“ einer Wiederverwertung durch die DEUTSCHE ROCKWOOL zugeführt werden. Aus Steinwolle wird in einem nachhaltigen Prozess wieder Steinwolle. Durch Konstruktionen wie den für das Quartier in Stuttgart-Rot realisierten Außenwandelementen, bei denen Dämmung und Holz miteinander verklammert bzw. verschraubt werden, ist die sortenreine Trennung der Baustoffe im Falle eines Rückbaus gewährleistet. Ausgebaute Steinwolle wird von ROCKWOOL ohne Wertverlust recycelt. Ganz im Sinne einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft entsteht aus zurückgenommener Steinwolle an den ROCKWOOL Werksstandorten wieder neue, hochleistungsfähige Steinwolle.
Bautafel für das abgebildete „Gebäude 10“: