Die Berechnung des U-Wertes erfordert physikalisches Verständnis und genaue Kenntnisse der verwendeten Materialien. Bauprofis nutzen für die exakte U-Wert-Berechnung oftmals spezielle Software oder einen U-Wert-Rechner. Trotzdem kann es sinnvoll sein, die grundlegende Formel zu verstehen.
Der U-Wert ist der Kehrwert des sogenannten gesamten Wärmedurchgangswiderstands (RT).
Die grundlegende Formel lautet: U = 1 / RT
Um diese Formel anzuwenden, müssen Sie zunächst den gesamten Wärmedurchgangswiderstand (RT) des Bauteils ermitteln. Dieser Wert setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen. Jede Schicht eines Bauteils hat einen eigenen Wärmedurchlasswiderstand (R-Wert). Dazu addieren Sie noch die Wärmeübergangswiderstände an der inneren und äußeren Oberfläche des Bauteils (Rsi und Rse).
Die Formel für den gesamten Widerstand lautet also: RT = Rsi + R1 + R2 + R3 + ... + Rse
Im Folgenden erklären wir die einzelnen Fachbegriffe Schritt für Schritt.
Der Lambda-Wert (λ-Wert)
Alles beginnt mit der Wärmeleitfähigkeit der verwendeten Materialien, dem sogenannten Lambda-Wert (λ-Wert). Der Lambda-Wert gibt an, wie gut ein bestimmtes Material Wärme leitet. Er wird in der Einheit W/(mK) gemessen. Auch hier gilt: Je kleiner der Wert, desto besser dämmt das Material.
Metalle haben beispielsweise einen sehr hohen Lambda-Wert (die Wärmeleitfähigkeit von Baustahl beträgt zum Beispiel circa 50-60 W/mK). Sie leiten Wärme extrem schnell weiter. Deshalb fühlt sich ein Stück Metall auch kalt an, wenn Sie es berühren. Es entzieht Ihrer Hand sofort die Wärme. Hochwertige Dämmstoffe wie Steinwolle haben hingegen einen sehr niedrigen Lambda-Wert (oft zwischen 0,033 und 0,040 W/(mK) (Bemessungswert)). Sie schließen viel ruhende Luft ein, und Luft ist ein hervorragender Isolator.
Der Wärmedurchlasswiderstand (R-Wert)
Aus dem Lambda-Wert und der Dicke der jeweiligen Materialschicht berechnen Sie den Wärmedurchlasswiderstand (R-Wert) einer einzelnen Schicht. Die Formel dafür ist einfach: R = d / λ (Dicke geteilt durch Lambda-Wert).
Die Dicke (d) geben Sie in Metern an. Wenn Sie also eine 14 Zentimeter dicke Dämmung aus Steinwolle verwenden, rechnen Sie mit 0,14 Metern. Teilen Sie diese 0,14 Meter durch den Lambda-Wert der Steinwolle (zum Beispiel 0,035), erhalten Sie den R-Wert für diese spezielle Schicht (in diesem Fall 4,0 m²K/W).
Das bedeutet: Wenn Sie die Dämmschicht dicker machen, steigt der R-Wert, der Widerstand gegen den Wärmedurchgang wird größer. Wenn Sie ein Material mit einem niedrigeren (besseren) Lambda-Wert wählen, steigt der R-Wert ebenfalls.
Wärmeübergangswiderstand (Rsi und Rse)
Neben den Materialschichten selbst bremst auch die Luftschicht direkt vor und hinter dem Bauteil den Wärmestrom ein wenig. Die Norm DIN EN ISO 6946 definiert hierfür feste Werte. Für Außenwände beträgt der innere Wärmeübergangswiderstand (Rsi) 0,13 m²K/W. Der äußere Wärmeübergangswiderstand (Rse) liegt bei Außenwänden meist bei 0,04 m²K/W.
Praktisches Beispiel zur U-Wert-Berechnung
Zur Veranschaulichung eignet sich eine einfache Wand. Sie besteht von innen nach außen aus vier Schichten:
- Innenputz (Dicke: 0,015, Lambda: 0,70) -> R = 0,021
- Ziegelmauerwerk (Dicke: 0,240, Lambda: 0,40) -> R = 0,600
- ROCKWOOL Steinwolle Dämmung (Dicke: 0,160, Lambda: 0,035) -> R = 4,571
- Außenputz (Dicke: 0,020, Lambda: 1,00) -> R = 0,020
Wir addieren alle R-Werte der Schichten sowie die Übergangswiderstände (Rsi = 0,13 und Rse = 0,04): RT = 0,13 + 0,021 + 0,600 + 4,571 + 0,020 + 0,04 = 5,382 m²K/W.
Nun berechnen wir den U-Wert als Kehrwert: U = 1 / 5,382 = 0,185 W/(m²K).
Dieser Wert von rund 0,19 W/(m²K) ist ein guter Wert für eine Außenwand. Er zeigt eindrucksvoll, welch zentrale Rolle die Dämmschicht spielt. Ohne die 16 Zentimeter Steinwolle läge der Gesamtwiderstand RT nur bei etwa 0,811 m²K/W. Der U-Wert der ungedämmten Wand läge dann lediglich bei 1,23 W/(m²K). Durch die Dämmung reduzieren Sie den Wärmedurchgang der Wand also um fast 85 Prozent.