Gladbeck / Berlin – An der Grenze der Berliner Stadtbezirke Lichtenberg und Marzahn lässt die Gewobag ein neues Quartier mit mehr als 1.500 Ein- bis Fünfzimmerwohnungen, einigen Gewerbeeinheiten und Räumen für eine Kita errichten. Die Fertigstellung der vier Bauabschnitte ist für Ende 2026 geplant. Erstellt werden Wohnungen und Gewerberäume überwiegend in Stahlmodulbauweise. Die Gewobag betreut damit ein Pilotprojekt, das schon durch seine schiere Dimension für Aufsehen sorgt.
Hersteller der Module und Generalunternehmer ist das niederländisch-japanische Unternehmen DAIWA House Modular Europe. Dieses setzt bei der Modulherstellung auf einen Stahlrahmen, der auf einen Stahlbetonboden montiert wird. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen mit nachhaltigen und recycelbaren Baustoffen wie Dämmstoffen der DEUTSCHEN ROCKWOOL. Dämmmatten und -platten aus nichtbrennbarer Steinwolle finden sich in den Fußböden der Module, in allen Raum- und Wohnungstrennwänden sowie auf den Fassaden der Gebäude.
Effizienter Materialeinsatz
Während von herkömmlichen Baustellen oft noch immer viel Abfall auf Deponien gefahren werden muss, kann der Verbrauch von Baustoffen in der modularen Vorfertigung gut gesteuert werden. Hier wird der Verbrauch aller Materialien durch Schnittpläne und gezielte Resteverwertung deutlich effizienter gestaltet. Steinwolle-Verschnitt etwa fiel beim Dämmen der Module kaum an.
Die rund 3.000 Module für die Landsberger Allee fertigt die DAIWA in Fürstenwalde. Baustelle und Werk sind 40 Fahrminuten voneinander entfernt. Das Gelände rund um die moderne Modulfabrik entspricht der Fläche von 21 Fußballfeldern – viel Platz für die Lagerung von Baustoffen und montagereifen Modulen.
Schallentkopplung inklusive
Für das Projekt an der Landsberger Allee lag bereits eine Baugenehmigung vor. Die DAIWA entwickelte deshalb in Anlehnung an ihre Standardmodule neue Modultypen, die optimal an die genehmigten Grundrisse angepasst wurden. Übernommen wurden hierbei geprüfte Konstruktionen wie z. B. die 12 cm dicke Stahlbetondecke, auf die der Stahlrahmen für ein Modul montiert wird. Sie ist nicht nur zentral für die Statik der Gebäude, sondern fungiert auch als horizontale Ebene der Brandabschnitte. Der vorbeugende Brandschutz profitiert von der modularen Bauweise. „Diese bringt ja eine systematische Entkopplung der Wohneinheiten mit sich“, erklärt Projektingenieur Lukas Böhmer. „Darüber hinaus können wir in der Vorfertigung die Module unter Aufsicht optimal beplanken und so dämmen, dass wir den gesetzlichen Anforderungen an den Wärme-, Schall- und Brandschutz im Gebäude vollumfänglich entsprechen.“
Bewährte Stahlbaukonstruktionen
Für den Stahlrahmen eines Moduls fügt die DAIWA handelsübliche UPE-Stahlprofile, QRO-Stahlstützen und Vierkantstahlrohre zusammen. Jedes Modul wiegt nach seiner vollständigen Fertigstellung zwischen 15 und 20 Tonnen. Abhängig von den Grundrissen der Gebäude werden pro Etage zwischen 40 und 224 Module in unterschiedlichen Größen eingehoben und zu Wohneinheiten verbunden. Über der obersten Modulebene jedes Gebäudes wird eine Stahlbetondecke aus 14 bis 16 cm dicken Fertigelementen gebildet. Das schafft einen soliden Konstruktionsuntergrund für Aufdachinstallationen wie PV-Anlagen.
Nichtbrennbare Außenwanddämmung
Der Wärmeschutz der Außenwände wird bei allen Gebäuden durch die Kombination eines WDVS mit der nichtbrennbaren Putzträgerlamelle „Speedrock II“ von ROCKWOOL komplettiert. Sie wird vollflächig geklebt und nicht gedübelt, ergänzt also optimal die Fassadenkonstruktion der Module, die außen mit zementgebundenen Leichtbetonplatten von James Hardie beplankt und mit „Sonorock“ Steinwolle-Platten gedämmt wurden. Auf rund 27.000 m² Fassadenfläche entsteht so eine zeitgemäße Wärmedämmung aus Steinwolle. Als Kleber kam „Sto Coll Mineral HP“ zum Einsatz. Auf der Dämmung wurde ein Glasfasergewebe von Sto mit dem Ausgleichsputz „StoLevell Uni“ aufgebracht. Der Putzgrund von Sto und der „StoMital K3“ Oberputz für nichtbrennbare Systeme wurden manuell aufgebracht und mit „StoColor Silco G“ beschichtet.
Da „Speedrock II“ Dämmplatten schnittfest sind, schufen die Stuckateure mit ihnen eine attraktive Fassadengestaltung mit Gesimsen über jedem zweiten Geschoss. Diese wurden durch einen Rückschnitt der Grunddämmplatten um einmal 40 mm und einmal 80 mm erstellt. Auf jedem Gesims liegt eine Aluminiumschale als Wetterschutz auf. Im Erdgeschoss wurden auf Außenwände aus Fertigbetonelementen Steinwolle-Dämmplatten in einer Dicke von 80 mm geklebt und verdübelt. Eine besonders ansprechende Optik entstand durch in die Dämmung gefräste Bossennuten.
Steinwolle in Boden- und Wandkonstruktionen
„Sonorock“, eine formstabile Dämmplatte für leichte Trennwände, sowie die Trittschalldämmung „Floorrock Acoustic CP 2“ unter der Fußbodenheizung auf den Betonbodenplatten der Module sorgen für den gesetzlich vorgeschriebenen Wärme- und Schallschutz. Da „Sonorock“ und „Floorrock Acoustic CP2“ ebenfalls aus nichtbrennbarer Steinwolle bestehen, verbessern sie zusätzlich den vorbeugenden Brandschutz.
„Die Modulaufbauten an der Landsberger Allee entsprechen zuverlässig den Vorgaben des KfW 55-Standards und könnten eine DGNB-Zertifizierung in Gold erreichen“, berichtet Projektingenieur Lukas Böhmer. „Die Zusammenarbeit mit der DEUTSCHEN ROCKWOOL und anderen namhaften Baustoffherstellern war auch in diesem Zusammenhang für uns sehr wichtig. Da der Stahlmodulbau aktuell noch nicht auf Verwendbarkeitsnachweise für seine eigenen Konstruktionen zurückgreifen kann, fußt unsere Wärme-, Schall- und Brandschutzplanung auf den umfangreichen Prüfungen, die unsere Industriepartner bereits durchgeführt haben.“
Bautafel