Trocken wird immer trockener und nass immer nasser. Das sind, einfach gesagt, die Veränderungen, die Mensch und Natur in Folge des Klimawandels betreffen werden. In städtischen Bereichen bedeutet dies, dass es zu Störungen durch überflutete Straßen und Keller in Folge von Starkregen kommt. Da der Wasserspiegel zu schnell zu hoch ansteigt, besteht auch eine erhöhte Gefahr von Überläufen, bei denen Regenwasser über die Kanalisation direkt ins Oberflächenwasser strömt. 

Die Stadtverwaltung von Amsterdam und Waternet haben die Plattform „Amsterdam Rainproof“ mit dem Ziel ins Leben gerufen, die Resilienz der Stadt gegen die immer häufiger auftretenden Starkregenereignisse zu erhöhen. Waternet ist unter anderem zuständig für die Umwälzung von Regen- und Abwasser in Amsterdam. 

Die Erhöhung der Klimabeständigkeit der Stadt war auch eine der Herausforderungen, vor denen das Projekt „Wohnraum für benachteiligte Gruppen“ in Amsterdam stand. In diesem Projekt stellte Iv-Infra das Ingenieurwissen zur Entwicklung mehrerer Standorte innerhalb der Stadtgrenzen bereit, um diese für einen Zeitraum von höchstens zehn Jahren vorzubereiten. Jeder Standort ist ein eigenes Projekt. Iv-Infra stimmt dabei die Entwürfe mit den Partnern ab: Mit der Gemeinde, den Versorgungsunternehmen, den Wohnungsbaugesellschaften, und der Baufirma, welche die Übergangswohnungen errichten soll sowie mit dem Bauunternehmen, das für die Gestaltung der öffentlichen Räume zuständig ist.

Merkmale und Herausforderungen

Jeder Standort hat seine eigenen Merkmale und Herausforderungen. Am Standort "Kruislaan" bestand beispielsweise eine der Herausforderungen darin, einen Wasserausgleich für die zunehmend überdachten und gepflasterten Flächen zu schaffen. Weil daher Regenwasser nicht mehr in den Boden versickern kann, können Überflutungen oder eine Überlastung der Oberflächenablauf- und/oder Kanalisationssysteme auftreten. Das niederländische "Statut voor Waternet" verlangt daher, dass pro 1.000 m² Zunahme bei der Versiegelung ein Regenwasserspeicher von mindestens 70 m3 als Ausgleich errichtet werden muss. Diese Anforderung ist wesentlich strenger als die normative T10, die nach den Entwässerungsrichtlinien einmal in 10 Jahren auftritt. Der Grund hierfür ist, dass Waternet robuste Einrichtung und Resilienzmaßnahmen in der Stadt umsetzen möchte, um auf die künftigen Klimaveränderungen vorbereitet zu sein.

Das Projekt befindet sich im Watergraafsmeerpolder, der 1629 entwässert wurde. Der Boden besteht hauptsächlich aus Lehm und Torf mit einer oberen Schicht aus Füllsand. Die obere Schicht bestimmt die Versickerungskapazität des Bodens. Der durchschnittliche Grundwasserstand sowie der durchschnittliche höchste und niedrigste Grundwasserstand wurden auf der Grundlage von Messungen aus dem Waternet-Messstellennetz und den hydromorphologischen Profilmerkmalen (Oxidations- und Reduktionsflecken) aus einer früheren Studie ermittelt. Neben diesen Daten bildeten die verfügbare Fläche innerhalb der Projektgrenzen und der Pegel der umliegenden Gewässer den wichtigsten Input für eine Studie über die verschiedenen Alternativen zur Speicherung von Regenwasser.

Untergrundlösung

Iv-Infra prüfte verschiedene Alternativen, die alle ihre Vor- und Nachteile in Bezug auf verschiedene Faktoren wie Platzanforderungen, Kosten, Instandhaltung und Komplexität hatten. Angesichts des begrenzten Platzes waren weder das oberirdische Auffangen von Regenwasser noch die Ausdehnung des Oberflächenwassers eine Option.

Bei durchlässigen Pflastern war die erforderliche intensive Pflege ein zu großer Nachteil, und die Sammlung und vorübergehende Speicherung von Wasser auf dem Dach des Gebäudes war finanziell nicht machbar, da dies zu viele Änderungen an den provisorischen Wohnungen erforderte. Daher musste eine unterirdische Lösung gefunden werden. Die endgültige Entscheidung fiel auf ein unterirdisches Speichersystem, bei dem das Wasser im Boden versickert. Dies war das am besten geeignete System, berücksichtigt man die erforderliche Kapazität und den Grundwasserspiegel.

Robuste und zukunftsfeste Lösung

Amsterdam macht die Stadt nicht nur "regensicher", sondern setzt sich auch für Nachhaltigkeit ein. Das unterirdische System musste daher nachhaltig hergestellt werden und soll nach einem Zeitraum von zehn Jahren vollständig recycelbar sein (Cradle-to-Cradle). Das Rockflow Wassermanagementsystem erfüllte diese Anforderungen perfekt. Das System basiert auf Steinwollelementen mit einer sehr hohen Kapazität zur Absorption und Speicherung von Wasser. Steinwolle ist ein Naturmaterial, das auf nachhaltige Weise aus Basalt hergestellt wird. Es ist zudem vollständig recycelbar.

Der Hauptvorteil im Vergleich zu herkömmlichen Systemen mit Kunststoff- oder Betonmodulen ist, dass das Rockflow-System sehr einfach angepasst werden kann. Und wenn zum Beispiel in Zukunft beschlossen wird, dass in der Mitte des Innengartens, wo sich das Speichersystem befindet, ein Loch für einen Baum gegraben werden muss, ist das kein Problem. Auch wenn ein Teil der Steinwolle entfernt werden muss, verbleibt das System insgesamt intakt, wenngleich mit reduzierter Kapazität. Falls erforderlich, können auch Kabel hindurchgeführt werden. Mit einem Boxensystem würde das zu Leckagen, Wasserablauf und nachfolgenden Setzungen führen. Es ist eine robuste, zukunftsfeste Lösung, unabhängig von aktuellen oder zukünftigen Plänen. Die Rockflow-Elemente sind leicht und einfach zu verlegen. Trotz der Tatsache, dass die Elemente leicht sind, können sie mit der richtigen Bodenbedeckung auch schweren Lasten standhalten. Am Standort Kruislaan ist über den Steinwollelementen ein Innengarten errichtet worden. Schwere Bodenbelastungen treten hier nicht auf, weshalb eine Bodenabdeckungsschicht von 30 bis 50 cm Dicke ausreicht.

Das Rockflow-System

Wasser fließt aus verschiedenen Abläufen und Dachrinnen über Rohrleitungen zum niedrigsten Abschnitt der Steinwollelemente. Während sich der Leerraum zwischen den Steinwollfasern von unten mit Wasser füllt, wird die Luft über Entlüftungsrohre nach oben verdrängt.

Die Elemente nehmen selbst bei niedrigem Druck innerhalb von 10 Minuten etwa 95 % ihres Volumens an Wasser auf. Dies liegt zum Teil an der Durchflussgeschwindigkeit des Wassers in den Steinwollelementen, die bei rund 200 Metern pro Tag liegt.

Das System kann so ausgelegt werden, dass es sich innerhalb von 24 Stunden vollständig entleert und dann für den nächsten Regenschauer bereit ist.

Pilotprojekt

Dies ist die erste Rockflow-Anlage, die in Amsterdam installiert wird, und daher als Pilotprojekt betrachtet wird. Trotz der Tatsache, dass es in den Niederlanden noch keine langfristigen Erfahrungen mit diesem Systemtyp gibt, sind Projektleiter Cees Voorburg und die Geohydrologin Baukje Dijkstra aus der technischen Abteilung der Stadtverwaltung Amsterdam von den Vorteilen des Produkts und Systems überzeugt. Dies liegt insbesondere daran, dass in Gebieten mit intensiver Flächenutzung eine Kombination von Anwendungsfunktionen angestrebt werden muss, in diesem Fall für die Wasserspeicherung und einen Innengarten.

Weitere Informationen über Steinwolle für zentrale Speicher:

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Rutger van der Veld

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